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Zum 1. Advent

Ein Fundstück, das ich schon länger auf meinem PC habe und nun gerade zur Jahreszeit passt:

In einem kleinen Zimmer über einer Bäckerei lebten James und Mary. Die beiden kamen gerade aus mit dem, was sie verdienten, doch sie vermissten nichts, denn sie hatten einander. Nur jetzt, zu Weihnachten, wünschten beide, sie könnten es sich leisten, dem anderen ein Geschenk zu machen. Doch dafür reichte ihr Lohn beim besten Willen nicht aus.
Mary musste schon sparen, um einen ansehnlichen Braten zum Fest bereiten zu können.
Dabei wusste Mary ganz genau, was sie James hätte schenken wollen: der Pfandleiher hatte eine wunderbar glänzende Uhrenkette aus Gold in der Auslage, die genau zu James Taschenuhr passte – das einzige Erbstück seines Vaters. Wie gern hätte sie James die Kette geschenkt. Wie stolz er dann seine Uhr aus der Westentasche hätte holen können! Nie mehr hätte er Sorge haben müssen, die Uhr zu verlieren. Doch es half alles nichts – ihr Geld genügte nicht für die goldene Kette.
In derselben Auslage, nur ein kleines Stückchen weiter rechts, lag ein Kamm aus Elfenbein, filigran und kunstvoll gearbeitet. Und als wäre das nicht genug, funkelten sechs kleine Edelsteine darauf wie Sterne. James hätte Mary zu Weihnachten so gerne mit dem Kamm überrascht. Er wäre die vollkommene Zier für Marys langes blondes Haar, das selbst in der
dunkelsten Zeit des Jahres glänzte, als fiele strahlend das Sonnenlicht darauf. Doch James hatte nicht das Geld, um den Kamm zu kaufen. Seine Arbeit als Gehilfe eines Lohnbuchhalters wurde schlecht bezahlt und das Leben in der Stadt war teuer.

Am Morgen des Heiligen Abend begann ein wildes Schneegestöber, das nicht wieder nachlassen wollte. James verbrachte den Tag bei der Arbeit, die Löhne sollten vor den Feiertagen ausgezahlt werden. Die Gesichter, in die James sah, als er ihnen der Reihe nach das hart verdiente Geld reichte, waren müde und blass, aber auch voller Vorfreude auf die Feiertage. James selbst fühlte sich beschwingt und fast ein wenig übermütig. Nicht nur, dass
er sich auf die Weihnachtstage mit seiner geliebten Mary freute, nein, er hatte auch noch etwas ganz Besonderes im Sinn. So konnte er es kaum abwarten, dem letzten Arbeiter seinen Umschlag in die Hand zu geben. Mit einem Strahlen im Gesicht wünschte er Mr. Farnham, seinem Boss, ein friedliches Fest und beeilte sich, das Büro zu verlassen.
Völlig eingeschneit kam James eine Stunde später zu Hause an. So gut es ging klopfte er sich den Schnee von Kleidung und Schuhen, nachdem er das Haus betreten hatte. Bevor er die Tür zur kleinen Wohnung aufschloss, griff er noch einmal kurz in seine Manteltasche und lächelte.
Der Tisch war gedeckt und aus der Küche duftete es nach Essen, aber Mary schien nicht da zu sein. James zog die kleine Schatulle aus seiner  Manteltasche und stellte sie auf Marys Platz auf den Tisch. Er legte den Mantel ab, zündete die Kerzen an und setze sich, um auf seine Geliebte zu warten.
Nach wenigen Minuten öffnete sich die Tür und eine schneebedeckte Mary kam herein. Ihren alten Mantel hatte sie fest um sich gewickelt und Mütze und Schal hatten sie so gut es ging vor dem Flockengetümmel geschützt. Als sie James am Tisch sitzen sah, strahlte ihr Gesicht.
„Du bist schon hier, wie schön!“ Ohne abzulegen holte sie ein in braunes Papier gewickeltes Päckchen aus ihrer Manteltasche und reichte es James über den Tisch hinweg.
„Ich kann nicht länger abwarten, du sollst dein Geschenk jetzt gleich haben. Frohe Weihnachten, mein Liebster!“
James nahm das Päckchen freudig entgegen. „Oh meine Mary, wie wunderbar du bist!“
„Nun öffne es schon, ich will sehen, ob dir mein Geschenk gefällt!“ James wickelte das Papier ab und zum Vorschein kam die goldene Uhrenkette aus der Auslage des Pfandleihers. Erwartungsvoll sah Mary James an.
„Nun, was sagst du? Du kannst deine Uhr jetzt wie ein echter Gentleman tragen!“ Mary suchte nach Freude in James’ Blick, doch sie fand nur Staunen und dann Traurigkeit. „Was ist? Gefällt sie dir nicht?“„Oh, Mary, die Kette ist ausgezeichnet, genau so eine habe ich mir immer gewünscht. Es ist nur…“
„Was, mein Liebster, was ist denn?“ „Die Uhr gehört mir nicht mehr. Ich habe sie heute zum Pfandleiher gebracht, um mein Geschenk an dich bezahlen zu können.“ Er deutete auf die kleine Schatulle auf Marys Platz.
„Fröhliche Weihnachten, meine Liebste!“ Noch bevor sie den hölzernen Deckel ganz geöffnet hatte, sah Mary das Funkeln der sechs kleinen Edelsteine auf dem Kamm aus Elfenbein. Sie betrachtete den Kamm mit gesenktem Kopf. Als sie aufsah, standen Tränen in ihren Augen.
„Oh James, wie wunderschön.“ „Und er wird noch schöner, wenn du ihn erst in deinem goldenen Haar trägst.“ „James, es tut mir so leid. Ich brauchte Geld, um die Uhrenkette bezahlen zu können. Und da ich nicht wusste, woher sonst ich es hätte nehmen können, da habe ich….“ Sie begann zu schluchzen.
„Was hast du getan, mein Liebling?“ Mary zog die Mütze vom Kopf. „Ich habe mein Haar dem Perückenmacher verkauft.“ Tränen liefen über ihre Wangen. James war sprachlos. Ungläubig starrte er auf den stoppeligen
Schopf. Nach ein paar Augenblicken fand James die Sprache wieder: „Du hast mir also eine goldene Kette für meine Taschenuhr gekauft.“ Mary nickte. Dicke Tränen tropften auf das Elfenbein.
„Aber ich habe die Uhr zum Pfandleiher gebracht, um dir den Kamm zu schenken“, fuhr
James fort und ein Lächeln begann sich in seine Stimme zu schleichen.
„Aber du kannst ihn gar nicht mehr tragen, denn du hast dein Haar dem Perückenmacher verkauft.“ Wieder nickte Mary. „Damit du Geld für die Uhrenkette hattest“, schmunzelte James.

Als sich ihre Blicke trafen, brachen sie in schallendes Gelächter aus. Sie lachten so laut und so lange, dass sie ganz erschöpft davon waren und ihnen die Bäuche wehtaten. James stand endlich auf und ging um den Tisch herum, um Mary zu umarmen. So standen sie da, als würden sie sich nicht mehr loslassen wollen. Beide hatten ihren wertvollsten Besitz gegeben, um dem anderen ein Geschenk zu machen. Und das machte sie in diesem Moment nicht nur zu den glücklichsten, sondern auch zu den reichsten Menschen in der ganzen Stadt.

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Mein heutiges Kalenderblatt

So schön, dass ich es teilen muss:

Es war einmal ein Kind, das bereit war geboren zu werden.

Das Kind fragte Gott:
„Wie soll ich auf der Erde leben, wo ich doch so klein und hilflos bin?
Wie werde ich singen und lachen können, um fröhlich zu sein?
Wie soll ich die Menschen verstehen, wenn ich die Sprache nicht kenne?
Was werde ich tun, wenn ich zu Dir sprechen will, Gott?
Und wer wird mich beschützen?“

Und Gott antwortete dem Baby…
„Ich habe für Dich ein Engel ausgewählt, der über Dich wachen wird, bis Du erwachsen bist.
Dein Engel wird für Dich singen und auch für Dich lachen. Und Du wirst die Liebe Deines Engels fühlen und sehr glücklich sein.
Dein Engel wird Dir die schönsten und süßesten Worte sagen, die Du jemals hören wirst, mit viel Ruhe und Geduld wird Dein Engel Dich lehren zu sprechen.
Dein Engel wird Deine Hände aneinanderlegen und Dich lehren zu beten.
Dein Engel wird Dich verteidigen, auch wenn er dabei sein Leben riskiert.“

In diesem Moment riefen Stimmen der Erde den Namen des Babys und es sprach:
„Oh Gott Ich muss jetzt von Dir gehen.
Bevor ich Dich jetzt verlasse, sage mir bitte den Namen meines Engel.“
Und Gott sprach: „Ihr Name ist nicht wichtig. Nenne sie einfach ‚Mama‘.

Vom Stricken und dem Leben

… handelt das Buch „Die Maschen der Frauen“ (Originaltitel: Friday Night Knitting Club ) – oder wie es in der Buchbeschreibung heißt: Von Maschen, Müttern und Männern

Aus dem Inhalt: Georgia liebt das Klappern der Nadeln. Deshalb fühlt sich die alleinerziehende Mutter am wohlsten in ihrem gemütlichen Woll-Laden auf der Upper West Side. Genau wie ihre zwölfjährige Tochter und die fünf Frauen, die sich dort jeden Freitag zum Stricken treffen. Dass der lebhafte Strickclub Freundschaften schafft, die so tröstlich sind wie die weichste Merinowolle und so beständig wie das Lieblingspaar Stricknadeln, das findet Georgia heraus, als etwas passiert, das ihrer aller Leben verändern wird.

Ich habe das Buch im Krankenhaus gelesen und habe es regelrecht verschlungen. Es ist lange her, dass ich ein Buch gelesen habe, dass so sehr zu Herzen geht und so warmherzig geschrieben ist. Man muss das Stricken nicht lieben um das Buch zu mögen, es schadet aber bestimmt nicht. 😉

Gefressen

Mein letztes Lesefutter habe ich regelrecht gefressen. 🙂 „Gestatten, Bestatter!“ von Tom .

Einige Geschichten kannte ich je schon aus dem Blog, andere waren neu. Ich habe gelacht, geweint und den Kopf geschüttelt. Die Buchbeschreibung „Geschichten die das Sterben schrieb“ würde ich sogar noch auf das Leben ausdehnen. Gefühlvoll geschrieben und so richtig zu Herzen gehend.

„Tamsin“ oder „Das Zauberhaus“ von Peter S. Beagle

Seit dem ich mal herausgefunden habe, dass wir diesem Autor „Das letzte Einhorn“ (die Zeichentrickversion ist nebenbei bemerkt der Film, den ich in meinem Leben am häufigsten gesehen habe) verdanken lese ich immer wieder eines seiner Bücher, sowie es mir in die Hände fällt.

Aktuell war es „Das Zauberhaus“ (Originaltitel „Tamsin„) Das mir bei meinem letzten Büchereibesuch eher zufällig unterkam. Worum es geht? Hierzu kurz der Klappentext: „Als die junge Jenny dem lebhaften New York den Rücken kehrt, um fortan mit Mutter und Stiefvater in Dorset zu leben, hat sie nur wenig Sinn für das vermeintlich todlangweilige Landleben. Doch das alte Herrenhaus steckt voller Geheimnisse. Eines Tages begegnet sie Tamsin, die einst an einer Lungenentzündung starb und nun als ruheloser Geist umherirrt. Jenny ahnt, daß ein verborgener Schmerz Tamsin gefangennimmt, und begibt sich immer tiefer in die Welt des Geisterreichs …“

Ich fand das Buch rundherum gelungen. Spannend bis zur letzten Seite, flüssig geschrieben und immer wieder überraschend. Ich kann es Fantasyfans jederzeit empfehlen!

(ele)gance gelesen

Dieses zauberhafte Buch habe ich nun schon zum zweiten Mal gelesen. Alle die mich kennen wissen, ich lese so gut wie nie etwas zweimal. In Ermangelung von Lesestoff habe ich mir aber diesmal einen meiner liebsten Romane nochmals vorgenommen. 🙂

Gedankensprung: Das Problem mit dem Lesefuttermangel haben wir nun auch behoben, gestern waren wir in der Stadtbibliothek und haben meinen Leseausweis verlängert. Ich bin fest der optimistischen Annahme, dass ich es in diesem Jahr trotz Baby und Kleinkind öfter mal dorthin schaffen werde! Und 12 Euro Jahresbeitrag (nur Bücher) sind ja schon „abgelesen“, wenn ich die drei Bücher gelesen habe, die ich mir diesmal mitgenommen habe. Da das Geld im Haushalt irgendwie nicht mehr wird, muss das Lesefutter eben wieder hart erkämpft werden. Denn ein Ausflug in die Bücherei bedeutet immer Parkplatz finden (gar nicht so einfach in Landhut, zumindest wenn man diesen nicht mehr oder weniger teuer bezahlen möchte), Kind (zukünftig Kinder) ausladen, zum Ziel kutschieren, Buggy abstellen, in der Hoffnung, dass er bei der Rückkehr noch da ist, Kind/er in den ersten Stock tragen, die weiteren Treppen in der Bücherei erklimmen, Bücher aussuchen (immer mit Kind auf dem Arm, dass ja nicht laufen will) und das ganze retour! Aktuell finde ich das seeeehr anstrengend…. Vielleicht erbarmt sich Papa ja zukünftig mal und hütet die Zwerge während Mama „schnell mal“ Lesefutter besorgt?

Aber zurück zum vorgestellten Buch. In „Elegance“ geht es um eine junge Frau Namens Louise. Ihre Ehe ist praktisch nicht mehr vorhanden, ihre Traumkarriere erscheint unerreichbar und ihr Lieblingskleidungsstück ist ein Kleid mit dem Schnitt eines Kartoffelsacks. Durch Zufall stößt sie auf einen Stilratgeber mit dem Titel „Elégance“ (diese Buch gibt es wirklich und die Autorin zitiert immer wieder längere Absätze daraus).

„Lass dich nie von etwas verführen, das nicht erstklassig ist“, mahnt Madame Dariaux. Und Louise nimmt sich das zu Herzen. Sie beginnt zunächst ihre Garderobe und nach und nach ihr Leben „auszumisten“: Sie beginnt auf sich und ihr Äußeres zu achten, verlässt ihren Mann, stellt ihr Leben auf eigene Beine, findet einen neuen Job und verliebt sich. Mit jedem Kapitel des Ratgebers wächst ihr Selbstvertrauen und zum Schluss ist aus ihr eine selbstbewusste junge Frau geworden.

Die ganze Geschichte ist einfach mitreißend und dabei nie kitschig oder klischeehaft geschrieben. Ein rundherum gelungenes Buch, dass man bestimmt auch noch ein weiteres Mal lesen kann. 😉

Herzwärmend: Das Märchen vom Glück

Es war ein Mal ein junger Mann in China, der ruderte auf einem kleinen Boot einen Flüßchen entlang, als sich plötzlich drei schwarze Vögel bei ihm am Bootsrand niederließen.
„Wir können dir deine Wünsche erfüllen!“, sprach der größte der Vögel, „was ist es, was du am meisten willst?“ Der junge Mann dachte nicht lang nach: „Ein langes Leben!“ „Hör mir gut zu!“, erwiderte da der größte Vogel, „ich bin dein Tod! Du weißt nicht, wann ich wiederkomme – verbring also jeden Tag so, als wäre es dein letzter! So wird dir dein Leben sicher nicht zu kurz werden!“ Kaum hatte er fertig gesprochen, erhob er sich schon und flog davon.
Nun wollte der zweite Vogel wissen, was er denn für den jungen Mann tun könne. „Ich will nicht mehr allein sein!“, seufzte der junge Mann. „Ach, das ist ja überhaupt kein Problem! Wir Vögel sind schließlich überall – auf Wiedersehen!“ Und auch der zweite Vogel breitete seine Schwingen aus und flog davon.
Der dritte Vogel, der allerkleinste, saß noch an der Reling und wartete. Und wartete. Auf einmal rief der Mann recht laut: „Ich will glücklich sein!“ Da schüttelte der kleine Vogel ein wenig seinen Kopf: „Ich könnte wohl schon dein Glück werden – aber eines solltest du wissen: Es ist sehr schwer, einen Vogel festzuhalten! Willst du dir nicht vielleicht etwas anderes wünschen?“ Der junge Mann wunderte sich: „Das geht, ich hab meine Chance nicht vertan?“ „Aber nein, wir sind hier in einem modernen Märchen!“ „Na gut, dann will ich zufrieden sein!“ sagte der junge Mann viel leiser. „Weit besser gewünscht!“ freute sich der kleinste Vogel. Er erklärte dem jungen Mann, dass er jeden Abend seine Sorgen in seinen Korb packen und den unbedingt immer hinter sich stellen solle. Und dann flog auch er davon.

Sechzig Jahre später ruderte ein alter Mann in einem großen Boot auf einem ruhigen, breiten Fluß, als sich ein kleiner Vogel näherte: „Wie schön leer dein Korb ist!“, zwitscherte der, „erkennst du mich wieder?“ „Jedes Mal hab ich dich erkannt“, rief da der alte Mann, „als ich meine Frau das erste Mal sah, als meine sechs Kinder geboren wurden – und nie hab ich versucht, dich festzuhalten!“ Stattdessen hatte er wirklich den Rat befolgt, sich seine Sorgen nie von vorne anzusehen. „Du hast es gut gemacht“, meinte da der kleine Vogel, „und jetzt setze ich mich ein wenig hinter deinen Rücken!“
Ein paar Minuten später kam der zweite Vogel an. „Ich war wahrlich nicht allein“, sprach ihn der alte Mann an, „bis meine Frau gestorben ist und meine Kinder sich aufmachten, die Welt zu entdecken! Und immer wusste ich: So wie die Vögel nicht zu zählen sind, so viele Menschen gibt es wohl auch!“ „Das hast du dir gut überlegt!“, antwortete ihm der zweite Vogel, „und jetzt werde ich bei dir bleiben, damit du noch mehr Gesellschaft hast!“

Und der alte Mann lächelte und begrüßte den letzten Vogel.

Original von la mamma. Gefunden hier. Danke Cecie!